Der Yamuna Fluss


Der Yamuna beginnt als klarer, eiskalter Gletscherfluss im Himalaya. Sein Wasser ist dort so sauber, dass man bis auf den Grund sehen kann. Doch je weiter er Richtung Ebene fließt, desto dramatischer verändert er sich – bis er in der Millionenmetropole Delhi zu einem der am stärksten verschmutzten Flüsse der Welt wird.
Das Erschreckende: Der größte Teil der Verschmutzung entsteht auf einem winzigen Abschnitt seines gesamten Verlaufs. In Delhi münden unzählige Abwasserkanäle in den Fluss – viele davon unzureichend geklärt. Industrieabwässer, Haushaltsabfälle, Plastik, Chemikalien und Fäkalien verwandeln das einst klare Wasser in eine dunkle, zähflüssige Brühe. An manchen Tagen bildet sich auf der Oberfläche ein dichter, weißer Schaumteppich, der wie Schneelandschaft aussieht – tatsächlich aber hochgiftig ist.
Und doch hat der Yamuna eine zutiefst spirituelle Bedeutung. Für viele Hindus ist er heilig. Gläubige steigen trotz der sichtbaren Verschmutzung ins Wasser, um rituelle Bäder zu nehmen, beten am Ufer oder übergeben dem Fluss Blumen und Opfergaben. Zwischen Glauben, Hoffnung und Umweltkatastrophe entsteht ein beklemmender Kontrast: Ein heiliger Fluss, der zugleich ums Überleben kämpft.
Seit Jahren versucht die indische Regierung mit großen Reinigungsprogrammen, den Yamuna zu retten – bisher mit wechselhaftem Erfolg. Der Fluss steht heute sinnbildlich für das Spannungsfeld zwischen rasantem Städtewachstum, Umweltbelastung und jahrtausendealter Spiritualität.

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